Ein Bericht von Tobias Engel (17), Segelflugschüler und Windenscheininhaber
Es war ein schön warmer und sonniger Tag im Mai, als mich beim abendlichen „Segelflieger – Abschlussbier“ mein Fliegerkollege Tristan ansprach: ,,Sag mal Tobi, wie weit bist du eigentlich in deiner Ausbildung als Segelflieger? Hast du nicht Lust eine Ausbildung als Windenfahrer anzufangen?“ „Ich? Windenfahrer?! Wow!“ Also erklärte er mir im Schnelldurchgang was ich alles zu tun habe und ob ich danach immer noch Lust hätte die „Gute alte Tost – Lady“ zu bändigen. Wie heißt es? – Auf einem alten Gaul lernt man das Reiten! Wohl wahr! Voller Begeisterung wurde kurzer Hand der Ausbildungsleiter Jürgen Mayrhofer angerufen, welcher auch nicht abgeneigt war und recht zügig alle nötigen Unterlagen besorgte, um die Ausbildung beginnen zu lassen.
Am nächsten Tag ging es auch schon los: Tanken, Checken,... „Wer demnächst Flieger in die Luft schießt, muss auch Winde fahren können!“ Es war doch nicht so einfach wie es aussah, das gute Stück auf der Strecke zu halten, denn Servolenkung oder synchronisierte Getriebe kannten die Konstrukteure damals noch nicht ;-) Trotz dem Kampf mit dem Schwergewicht kamen wir irgendwann dann doch an der 07 an!
Jetzt wurde es ernst! „Hier musst du den Hebel,...den hier drüben,...dort ziehen und bei 80° Grad kannst du bescheid sagen.“ –„Äh ...bitte noch mal ganz langsam zum Mitschreiben!“ Mein erster Start verlief völlig normal, trotzdem war ich mit allen Hebeln und Anweisungen von Tristan leicht überfordert. Daraufhin kam von ihm trotzdem ein begeistertes: „Du bist ein Naturtalent!“ Der Meinung war ich zwar nicht, aber okay! Am Abend nachdem alles eingeräumt war berichtete mir mein Lehrmeister, dass ich der zweite im Verein wäre bei dem natürlich eine so genannte “Windentaufe“ stattfinden müsse! Rätselnd was eine Windentaufe denn sein könne wurde der Tag glücklich abgeschlossen.
Mittlerweile wurde aus einem “unkontrollierten–Flieger–in–die-Luft–Schießen“ etwas, was man durchaus schon als Windenschlepp bezeichnen könnte. Plötzlich standen der Schnupperkurs und das Sommerlager unmittelbar vor der Tür. Also hieß es „Dich kriegen wir noch davor zum Windenfahrer!“ Also ran an den Speck! Der Tag der Prüfung kam dann doch sehr unerwartet... Mit den Worten „Alles ganz easy“ ging es an das andere Ende der Bahn. Mir kam es so vor, als war die Prüfung schon fertig, als sie noch nicht einmal angefangen hatte. Alles ganz easy – hatte sich bestätigt! Nun durfte ich die alte Lady alleine ausführen! An dieser Stelle noch mal herzlichen Dank an Tristan, der mich so schnell durch die Ausbildung gebracht hat!
Doch das schönste am Tag kam ja noch: „Tobi, du weißt ja ...Windentaufe!“ ...und ein hämisches Lachen hinterher. Mittlerweile wusste ich schon, dass es zumindest feucht wird! Naja, ich war ja nach der Hinterteil– Massage nach meinem ersten Alleinflug schon abgehärtet und war auf alles gefasst! Vor versammelter Mannschaft wurde dann bekannt gegeben, dass es nun einen neuen Verrückten gibt, der die Thermikfreudigen demnächst in die Luft befördert!
Und schon ging es zur Sache – alla Michael Schumacher! *zisch* ...ich konnte gar nicht so schnell reagieren, wie ich von oben bis unten mit Sekt eingeläppert war!
Einfach ein super Feeling, sollte jeder Mal mitmachen! Also Leute, werdet Windenfahrer!