Mein erster Automatensprung

Ein Bericht von Heike Eger (18)

Ich erinnere mich noch genau an diesen besonderen Tag. Es war im Jahre 2002, der 21.Juli, 2 Monate nach meinem 17ten Geburtstag. Lange habe ich gebraucht, bis ich meinen Vater dazu umstimmen konnte, mir die Einverständniserklärung für einen 'Schnuppersprung' zu erteilen. Begeistert war er mit Sicherheit nicht, doch er gab nach, weil ich meinen Kopf durchgesetzt hatte und schon 3 Jahre unfallfrei im Segelflug tätig war. Der Schnupperlehrgang begann an einem sonnigen Samstagmorgen mit den wichtigen Regeln auf einem Flugplatz. Selbstverständlich war es nichts neues für mich, dass man beispielsweise nie vor einem Propeller laufen soll, denn wer bereits seit 3 Jahren im Verein ist, kennt bald jede Kleinigkeit auf dem Platz in und auswendig.

Nach der Einweisung ging es zur Theorie über: Theoretisch sowie praktisch. Die normalerweise sehr trockene Theorie wurde mit der Praxis verbunden. So hatte man in einem an der Decke befestigten Trainingsgurtzeug seine Schirmfahrt recht praxisnah vermittelt bekommen und am Flieger, unserer Cessna 206, die Absprunghaltung realitätsnah erklärt bekommen.

Landefallübungen wurden auf einer Matte geübt und der Absprung noch mal an einem 'Sprungturm'. Mögliche Fehlöffnungen und Versager wurden besprochen, das falsche Verhalten bei Hindernislandungen aus dem Weg geräumt. Einen kompletten Tag verbrachten wir, eine Gruppe von ca. 9 freifallbegeisterten Neueinsteigern, mit der Vorbereitung auf den am nächsten Tag stattfindenden Sprung. Am Ende des Tages wurde noch ein kleiner Test mit den wichtigsten Theoriepunkten geschrieben. Nur wer diesen bestanden hatte, durfte am nächsten Tag seine 'Klamotten lüften' gehen.

Im Rückblick und im Vergleich zum Theorieunterricht beim Autoführerschein war es ein sehr spaßiger Tag. Man hat neue Leute kennen gelernt, die gleiche Interessen haben und genauso mulmig dem folgenden Tag entgegensehen. Der Theorienachmittag wurde mit einer herzhaft belegten Pizza in unserer gemütlichen Gaststätte abgeschlossen.

Am darauf folgenden Sonntag trafen um 10 Uhr alle Sprungschüler erneut am Flugplatz ein. Jetzt wurde es ernst! Eine kurze Wiederholung erfolgte, während ein Teil der Lizenzinhaber schon die Maschine aus der Halle rollte und die Vorbereitungen auf den heutigen Sprungtag trafen. Je drei Sprungschüler wurden mit einem erfahrenen Sprunglehrer in einem Lot eingeteilt. Zu meinem Glück war ich in der ersten Maschine dabei, sodass meine Nervosität nicht noch schlimmer wurde. Bei der Suche nach dem passenden Kombi und dem passenden Schirm standen einem die Lizenzinhaber auf Schritt und Tritt zur Seite. Um in der Luft und bei der Landung eine Unterstützung zu haben, wurde jeder von uns Sprungschülern mit einem Funk ausgerüstet, der von einem am Boden stationierten Lehrer geleitet wurde.

Das richtige Anlegen der Sprungausrüstung wurde überprüft, das Cypres eingeschaltet. Nun wurde es ernst. Bepackt mit Schirm, Helm und Sprungbrille ging es auf den Weg zum Flieger. Noch eine kurze Funkprobe stellte sicher, dass auch wirklich nichts schief gehen würde. Am Flieger bekamen wir die letzten Einweisungen zwecks Windrichtung und wurden mit unserer Reißleine am Schirm mit dem Flieger verbunden. Wichtig war auch die Sitzordnung, denn der schwerste Springer hat die größte Sinkgeschwindigkeit undspringt daher als erster.

Der Steigflug war unheimlich aufregend. Wir waren alle drei sehr aufgeregt und ich weiß noch, dass ich nicht richtig wusste, ob meine Gefühle eher in die Freude oder in die Furcht gingen. Immerhin ist es nicht gerade etwas alltägliches, aus einem intakten Flugzeug zu springen. Nach ca. 10 Minuten war die Absetzhöhe von 1000m QFE erreicht und der erste Springer wurde abgesetzt. Hilfe! Ich war die letzte Springerin vor unserem Sprunglehrer und 'musste' mit zusehen, wie sich meine zwei Kameraden vor mir aus dem Flieger stürzten. Die Schirme waren immerhin schon mal aufgegangen und das war gut für die Psyche.

Nun war ich an der Reihe... Der Pilot drosselte die Maschine. Langsam und zögerlich rückte ich in die Tür und war erstaunt, wie schwer es doch ging. Der Wind drückte meinen Oberkörper wieder in den Flieger zurück und meine Beine flatterten schon fast durch die Luft. Endlich war es mir nach mühevoller Arbeit gelungen, die Position einzunehmen. Kopf in den Nacken, Blick zum Sprunglehrer und konzentrieren. Ganz ehrlich weiß ich kaum noch etwas von den 1-3 Sekunden, nachdem ich den Flieger verlassen hatte. Auch mich hatte das bekannte 'sensory overload' erwischt. Ich konnte die vielen Informationen einfach nicht verarbeiten und hatte eine Art Blackout. Mein Schirm öffnete sich mit einem Ruck, der mich nach oben zu ziehen schien. Ein Blick nach oben, mein blauer Schirm war vollständig geöffnet und ich hörte die beruhigenden Worte durch den Funk: 'Willkommen am Himmel, guten Flug!' Ein atemberaubendes Gefühl! Lautlos schwebte ich durch den Himmel über Gelnhausen und flog in anfangs vorsichtigen Kurven meine Höhe ab. Durch den Funk hörte ich immer wieder beruhigende Worte und Tipps. In 100m Höhe stellte ich meinen Schirm gegen den Wind und flog auf den Zielkreis zu. Durch den Funk bekam ich die Unterstützung, wann der richtige Punkt zum Flairen sei.

Dadurch, dass ich die Beine zu verkrampft hatte, wurde es eine Landung auf die Knie, aber es war halb so schlimm und schade, dass ich wieder am Boden war. Am 24.Mai 2003, drei Tage nach meinem 18ten Geburtstag, bin ich fest bei den Fallschirmspringer eingestiegen. Noch immer werden Schnuppersprünge durchgeführt, durch die unsere Sparte mehr und mehr anwächst.

Diesen Winter werden 8 Neulinge ihre theoretische Prüfung ablegen, um nächsten Sommer ihre Lizenz stolz in den Händen halten zu können. Für mich persönlich ist Fallschirmspringen mit nichts vergleichbar.

Es ist einfach eine unbeschreibliche Freiheit!

     
   
VCard
Jugendgruppe
   
   
Jugend - News
Unser Volleyballteam
 Unser Volleyballteam
Das Segelflieger-Volleyballturnier 2010 war ein großer Erfolg für die Jugend des Aero-Clubs Gelnhausen... 

Unsere fünf Teilnehmer beim Jugendvergleichsfliegen in Reinheim
 Unsere fünf Teilnehmer beim Jugendvergleichsfliegen in Reinheim
Fünf jugendliche Segelflieger des Aero-Club Gelnhausen e.V. beim Jugendvergleichsfliegen 2009 

   
   
Termine / Veranstaltungen
PA-18 aus Gelnhausen
 PA-18 aus Gelnhausen
29. Internationales Piper-Treffen in Gelnhausen 

Angstfrei fliegen
 Angstfrei fliegen
Kooperation mit Praxis für Hypnosetherapie