Ein Bericht von Felix Michael (17), Segelflugschüler
Es war kurz vor Sonnenuntergang in Porta Westfalica, als mir am 13.4.2003 mein Fluglehrer Bernd Boelts als letzten Piloten am diesem Tag die Sicherheitsgurte fest anzog. Er wechselte noch ein paar beruhigende Worte mit mir, bevor ich zum ersten Alleinflug in die Luft geschickt wurde. Ich saß in ,,meiner'' ASK 21 und hatte totales Herzklopfen, gleichzeitig war ich aber auch schon gespannt auf den Start. Jääähhh, mein erster Alleinflug, wie aufregend! Schon am Vortag sollte ich mich bei schönstem Wetter freifliegen, was dann aber verschoben wurde, da zu viel Flugverkehr am Himmel war. Bernd bleute mir noch mal das Übliche ein: „Keinen Kavalierstart', pass auf deine Geschwindigkeit auf, Hals und Beinbruch!''. Dann war es auch schon soweit. Mit pochendem Herzen erwartete ich das Straffen des Seils. Als es endlich losging, wich die Nervosität und ich war voll konzentriert. Wer selber seinen Alleinflug schon hinter sich hat weiß, wie sehr man sich in diesem Moment auf´s Fliegen konzentriert.
Es lief alles wie von selbst: Erst rollte ich ein paar Meter und war schon nach kurzem in der Luft. Als ich die Sicherheitshöhe erreicht hatte, hängte ich mich rein und zog. Bernd gab mir über Funk noch einige Korrekturanweisungen und dann klinkte die Kupplung auch schon aus. Ich war erst einmal verwundert wie komisch sich das Flugzeug fliegen ließ. Es dauerte erst eine Weile bis ich darauf kam, das Flugzeug nachzutrimmen. Ich trimmte, schlug links ein und flog zu einem kleinen See, der gegenüber dem Flugplatz liegt und kreiste dort meine Höhe ab. Da überwältigte mich ein irres Glücksgefühl und ich fing vor Freude an zu jubeln und zu singen ( das „Tequila Lied“ ).
Niemals zuvor fand ich einen Sonnenuntergang so schön wie in diesem Moment. Als ich noch 200 Meter hatte, flog ich enttäuscht darüber das ich schon wieder runter musste, in den Gegenanflug und meldete, 'Punkt Position'.
Als ich im Endanflug war bekam ich ein paar Böen ab, die mich ein wenig durchrüttelten, aber die Korrekturen kamen wie von selbst und nach kurzer Zeit hatte ich auch schon aufgesetzt. Nach dem Ausrollen öffnete ich er st mal die Haube und schaute nach hinten um sicherzugehen, dass ich auch alleine Geflogen war. Als ich überglücklich ausstieg rannten mir schon meine Fliegerkameraden entgegen und gratulierten mir überschwänglich. So klang ein perfekter Tag abends beim Feiern wunderschön aus.
Den ersten Alleinflug kann man nicht mit anderen Flügen vergleichen. Es gibt danach natürlich ebenfalls wunderschöne Momente beim Fliegen, zum Beispiel der erste Flug über längere Zeit und bei großen Höhen. Das Besondere aber beim ersten Alleinflug ist der enorme Gewinn an Selbstvertrauen, den man förmlich spüren kann. Man fühlt sich danach ein Stück erwachsener, da es der erste große Schritt für die eigene Fliegerlaufbahn ist. Ist man erst mal alleine geflogen, kann man danach meistens nicht mehr mit dem Fliegen aufhören.
Ich fliege natürlich immer noch und versuche möglichst bald meinen Schein zu erwerben. Vor dem ersten Alleinflug ist man ganz wild auf diesen, aber es lohnt sich nicht irgendwas zu überstürzen, da man besser gut vorbereitet sein sollte bevor man sich an diese Herausforderung macht. Abschließend kann ich nur sagen, dass es die beste Entscheidung war mit dem Segelfliegen anzufangen, weil es eine wirkliche Erweiterung des eigenen Horizonts ist.