
Ein Blickfang am späten Abend: das Ballonglühen bei den 'Air Classics' Bild: Diekmann |
Von Alex Schopbach
GELNHAUSEN. Majestätisch hebt die „JU 52“ ab. Fast wie in Zeitlupe macht sie Höhenmeter auf Höhenmeter, entfernt sich dabei langsam immer weiter vom Gelnhäuser Flugplatz . 15 000 Menschen erlebten dieses seltene Ereignis am Wochenende bei den „Air Classics“ des heimischen Aero-Clubs. Die Rundflüge mit der Legendären „Tante JU“ erfreuten dich so großer Beliebtheit, dass die Crew gestern um 18 Uhr sogar einen Zusatzflug über das Kinzigtal anbot, der ebenfalls in Windeseile ausgebucht war.
Rob Davies, einer der weiteren Stars der dreitägigen Flugschau über der Barbossastadt, flog da schon über den Kanal. Kurz nach 16 Uhr verabschiedete sich der Engländer mit einem letzten Motordröhnen seiner „P51 D Mustang“ von den „Ait Classics“-Besuchern nach Kent. Dort lebt der Pilot, der dem Gelnhäuser Publikum während der „Air Classics“ mehrmals täglich über 700 Stundenkilometer schnellen Jagdflugzeug aus den 40er Jahren rasante Flugmanöver bot. Mit an Bord hatte Davies Frankfurter Würstchen, Leberwurst, Schinken und grobe Bratwurst, gespendet von einer Eidengesäßer Metzgerei. Seine aus Deutschland stammende Frau gab dem Piloten einen entsprechenden Einkaufszettel mit auf den Weg nach Gelnhausen. Rene Klostermann, Sohn des zweiten Aero-Club-Vorsitzenden Heinz G. Klostermann, organisierte das „Worscht-Paket“…

Brandbekämpfung mit dem alten DDR-Agrarflieger'Kruk'. Bild: Diekmann |
„Worscht“ für England
Ebenfalls bei den „Air Classics“ in der Luft: der heimische Pilot Georg Raab (Großenhausen) mit seiner T-6 „Warbird“. Er begleitete Walter und Toni Eichhorn mit ihren Maschinen selben Typs in die Luft, flog mit ihnen „Flügel an Flügel“ Formationen, bevor er ausscherte und den Himmel den Eichhorns, Vater und Sohn, überließ. Die beiden erfahrenen Kunstflieger, die gemeinsam über 25 000 Flugstunden hinter sich haben, ließen den Zuschauern den Atem stocken: Mit nur wenigen Metern Abstand flogen sie Loopings, Schleifen und weitere enge Formationen, rasten aufeinander zu und zogen lange Rauchschweife hinter ihren dröhnenden Maschinen her. Nicht weniger spektakulär: „Wingwalkerin“ Peggy Kainz, die in luftiger Höhe den sicheren Co-Piloten eines alten Doppeldeckers verließ, um auf den Flügeln Gymnastik zum machen. Grade zu atemberaubend, als sie auf der oberen Tragefläche stand und der Pilot der ihr Lebensgefährte Friedel Fingerhut, zum Looping ansetzte…
Fallschirmspringer, Rundflüge für jedermann – unter anderen in den „Do 27“ des Aero-Clubs – und das Ballonglühen am Samstagabend komplettierten das mit vielen fliegerischen Höhepunkten gespickte Programm. Entlang der Start- und Landebahn bummelten die Besucher zwischen Ständen, an denen Fliegerjacken und sogar Jetpiloten-Helme angeboten wurden.
An allen „Air Classics“ -Tagen waren rund 150 Vereinsmitglieder im Einsatz auch um den Verkehrsfluss zu regeln und die Autofahrer auf die Parkplätze einzuweisen. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei war klasse“, freute sich gestern Abend der zweite Vorsitzende Klostermann. Und auch ansonsten sei das dreitägige Spektakel reibungslos verlaufen. In zwei Jahren planten die heimischen Flieger die nächste Auflage ihrer „Air Classics“.
Von der „Tante JU“ verabschieden können sich die Gelnhäuser heute gegen 10 Uhr. Dann hebt sie ab und fliegt zurück nach Dübendorf/Schweiz, ihren Heimatflughafen.